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Verwaltete Kunst

Zu Recht empört

Offene Fragen, die weitgehend noch offen bleiben: Das ist der Stand der Dinge beim Kunstzensur-Skandal in Gelsenkirchen. Dazu gab es hier im Dezember einen Text: https://artigart.de/schaedliche-willkuer/. Die drängenden Fragen der Künstlerin Melisa Kujević und von Politikern schmoren seit drei Monaten in den Amtsstuben, nun sollten sie in der Sitzung des Kulturausschusses am 11. März endlich beantwortet werden. Zu früh gefreut: Offenbar hatte ein Virus ausgerechnet das Kulturamt heimgesucht, denn sowohl die Kulturdezernentin, die zuständige Referatsleiterin als auch der Kurator des „Goldstücke“-Festivals meldeten sich krank, wie lokale Medien übereinstimmend berichten.

Die Fraktion der Grünen hatte den Tagesordnungspunkt beantragt, verbunden mit einem Fragenkatalog. Immerhin nahm ein Jurist der Gelsenkirchener Verwaltung Stellung, der zwar viele gewünschte Antworten nicht liefern konnte, aber sich stark machte für eine Version der Geschichte, die die Stadt entlasten würde: Es habe keinen schriftlichen Vertrag mit Kujević gegeben, also auch rein juristisch keine Absage. Das ist erstaunlich, denn auch mündliche Verträge gelten – rein juristisch. Aber es gab, so berichtet „correctiv“, doch einigen Schriftverkehr, auf den sich die Künstlerin berufen kann, wenn sie – wie sie es vorhat – gegen die Stadt klagt (https://gelsenkirchen.correctiv.org/goldstucke-nachspiel/).

„Die ‚Antworten‘ im Kulturausschuss waren völlig unzureichend und unzufriedenstellend“, resümiert Ratsmitglied Marc Meinhardt (Die Partei), er sei ebenso empört wie die Künstlerin. Melisa Kujević weist die Behauptung zurück, es habe keinen Vertrag gegeben: „Das entspricht absolut nicht der Wahrheit“, schrieb sie artigart.

Antworten der Kultur-Verwaltung sollen den Politikern nun schriftlich nachgereicht werden. Bisher sieht alles danach aus, dass die Behörde die AfD-kritische Arbeit der Künstlerin kurz vor der Oberbürgermeister-Stichwahl zwischen SPD und AfD gekippt hat, weil sie kalte Füße bekam. Dass sie sich mit diesem massiven Eingriff in die Kunstfreiheit juristisch in die Nesseln setzte, war vorherzusehen. Nun ist guter Rat teuer, wie man das erklären, wie man es „verkaufen“ soll. Am Besten wäre es wirklich, ein Gericht stellte die Fragen.